Autor: Vladimir Nabokov
Titel: Lolita
Verlag: Rowohlt Verlag
ISBN: 3498046462
Preis: 28,00 Euro
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Autor: Vladimir Nabokov
Titel: Lolita
Verlag: Rowohlt Verlag
ISBN: 3498046462
Preis: 28,00 Euro
Zunächst als pornographisch diffamiert und in den Untergrund verbannt, musste Nabokovs „Lolita“ lange Zeit auf Anerkennung warten. Erst ab etwa 1958 - drei Jahre nach Erscheinen des Romans - erkannte man das literarische Innovationspotenzial der Erzählung und „Lolita“ avancierte zum modernen Klassiker.
Die Geschichte der Liebe des Literaturwissenschaftlers Humbert Humbert zu dem zwölfjährigen "Nymphchen" Dolores Haze ist mitnichten das sensationslüsterne, pornographische Machwerk eines verderbten Literaten. Auch wenn Nabokov selbst sich vehement gegen jegliche Deutung des Romans gewehrt hat, lassen sich doch Tendenzen und Grundthemen fassen.
„Lolita“ ist zum einen die Geschichte der tragischen und blinden Liebe Humberts zu Dolores, die keine Chance auf Erfüllung hat und in dem Moment zerbricht, in dem man sie zu fassen versucht. Nabokov - fern jedes moralisierenden Gestus und unverbesserlicher Romantiker - verfasst in seinem Roman eine Hymne auf die reine Liebe, die bedingungslose Hingabe jenseits aller gesellschaftlichen Normen und Moralvorstellungen. Humbert strebt nach perfekter Liebe und perfekter Schönheit, wohl wissend, dass die Vorstellung davon nichts als eine Schimäre ist. Seine Obsession macht ihn damit in doppelter Hinsicht zu einem Gefangenen: seiner selbst und der Gesellschaft, die ihm seine Liebe verwehrt und ihn auch räumlich und sozial - im Gefängnis - isoliert. Es zeigt sich hier ein weiteres, bedeutendes Erkenntnismoment des Romans, nämlich die Offenlegung der bürgerlich-moralischen und gesellschaftlichen Wertvorstellungen, die ihn in seiner durchaus erwiderten Liebe zu einer Minderjährigen kriminalisieren und zum Außenseiter der Gesellschaft stempeln. Auch darin setzt er sich über sittliche Anstandsregeln hinweg. Die Psychoanalyse oder quasi-fortschrittliche Pädagogikkonzepte seiner Zeit entlarvt er als Mechanismen, die - unter dem Deckmäntelchen der Befreiungsabsicht - lediglich veränderte Normen etablieren, ohne jedoch weniger wirkungsmächtig zu sein.
Der Roman - trotz des fatalen Verlaufs der Handlung heiter und ironisch im Ton - zeichnet sich aus durch stilistische Eleganz und Vielfalt und ist reich an literarischen Bezügen - zu Dichtern wie Poe, de Sade, Flaubert und Joyce oder zu Literaturformen wie etwa dem Kriminalroman oder der Reiseerzählung. In dieser Vielfalt beweist Nabokov, der auch Professor für russische Literatur war, dass er seine großen literaturhistorischen Kenntnisse souverän für die eigene Arbeit zu nutzen weiß, ohne dabei epigonal zu sein.