Robert Musil - Der Mann ohne Eigenschaften-Cover

Autor: Robert Musil
Titel: Der Mann ohne Eigenschaften

Verlag: Rowohlt Taschenbuchverlag
ISBN: 3499134624

Preis: 14,90 Euro


Dass Robert Musils Roman "Der Mann ohne Eigenschaften" trotz mehr als zehnjähriger Arbeit des Autors und einem Umfang von schließlich über 1000 Seiten (die zahllosen Entwürfe nicht mitgerechnet) unvollendetes Fragment geblieben ist, mag nicht nur dem persönlichen Schicksal Musils zuzuschreiben sein (er verstarb vor der Fertigstellung). Wie er selbst erkannte, wuchs der Gegenstand im Laufe der Jahre und mit dem Anwachsen der Textmenge buchstäblich über ihn hinaus, steckt doch als heimliche Intention nichts weniger als der Versuch dahinter, seine Gegenwart in all ihren zeitgeschichtlichen und geistigen Aspekten vollständig einzufangen. Genau das strebt auch der Protagonist des Romans an, der 32jährige "Mann ohne Eigenschaften" Ulrich. Er beschließt, ein Jahr Urlaub vom Leben zu nehmen, um hinter die geheimnisvolle "Ordnung des Ganzen" zu kommen. Das halbherzige Engagement für die von einflussreichen Kreisen vorangetriebene "Parallelaktion" des österreichischen Kaiserjubiläums - eine Konkurrenzunternehmen zur preußisch-deutschen Jubelfeier des Jahres 1918 - kann Ulrich jedoch ebenso wenig Befriedigung verschaffen wie seine zahllosen Freundschaftsbeziehungen zu kultivierten Geistesmenschen oder seine hochgeistigen Reflexionen über Philosophie und Naturwissenschaft. In einer "Welt von Eigenschaften ohne Mann" zerfällt die Wirklichkeit in viele gleichbedeutende Alternativen, denen gegenüber nur eine am "Möglichkeitssinn" orientierte provisorische Existenzform angemessen erscheint. Einzig im Wahn des Serienmörders Moosbrugger erkennt Ulrich so etwas wie den geheimen Schlüssel zur Erkenntnis. Derart auf die irrationale Logik der modernen Welt gestoßen, entwirft Ulrich sich in der symbiotisch-inzestuösen Beziehung zu seiner Schwester Agathe die Utopie eines "anderen Zustands". Das mystisch-paradiesische Erleben der "Atemzüge eines Sommertags" (so der Titel des wohl berühmtesten Romankapitels) führt in ein Dasein jenseits von Raum und Zeit, jedoch gelingt die Überwindung der Wirklichkeit nur für die epiphanische Dauer eines vergänglichen Augenblicks. In gleicher Weise wie die Handlung sich in zahllosen Umwegen, Abweichungen und Auflösungen im Wortsinn fort entwickelt, legt Musil auch den Stil seines Romans an. Die konventionellen Erzählformen und Bildsprachen der Gattung hinter sich lassend, findet der Autor in der offenen Form des Essays die adäquate Form, die zahllosen gesellschaftskritischen, erkenntnistheoretischen und individualpsychologischen Fäden zu verknüpfen, die sein Werk durchziehen. Anstatt ihn banal ein "Fragment" zu nennen, sollte man den "Mann ohne Eigenschaften" genau so lesen, als (gelungenen) Versuch, die moderne Gegenwart zur literarischen Sprache zu bringen.



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