Yukio Mishima - Nach dem Bankett-Cover

Autor: Yukio Mishima
Titel: Nach dem Bankett

Verlag: Suhrkamp Verlag KG
ISBN: 3518398172

Preis: 8,00 Euro


Yukio Mishima war der bedeutendste Erneuerer der japanischen Literatur, deren klassische Wurzeln er mit den Einflüssen moderner europäischer Ästhetik zu einem neuartigen, artifiziellen Stil anreicherte. Zugleich galt Mishima ob der oft schockierenden Gegenstände seiner Werke, die mit nihilistischem Grundton immer wieder moralische und politische Wertvorstellungen attackierten, als Enfant terrible. Auch sein 1960 erschienener Roman "Nach dem Bankett" reiht sich in die literarische Skandalchronik ein, wurde er doch als Enthüllungsroman über das intrigante japanische Parteien- und Wirtschaftssystem verstanden; eine Interpretation, die dem Autor eine gerichtliche Verurteilung einbrachte. "Nach dem Bankett" erzählt rückblickend die Geschichte der Luxusrestaurant-Besitzerin Kazu und ihrer Ehe mit dem altmodisch-idealistischen Politiker Noguchi. Repräsentiert dieser die Konventionen und Traditionen verpflichtete konservative Lebenshaltung des alten aristokratischen Japans, so verkörpert die bedingungslos pragmatische, lebensfrohe Kazu den unaufhaltsamen Aufstieg einer hedonistisch orientierten neuen Generation, der persönliches Wohlergehen über alle gesellschaftlichen Werte geht. Als ihr Mann für das Amt des Gouverneurs von Tokio kandidiert, sieht Kazu ihre Chance zum endgültigen Aufstieg in die höchsten Gesellschaftskreise gekommen: Engagiert stürzt sie sich in den Wahlkampf und reißt ihren zaudernden Gatten zunächst mit auf dem Weg zum scheinbar sicheren Triumph, der jedoch jäh sein Ende findet. Ein ehemaliger Liebhaber Kazus taucht mit belastend skandalösem Material auf. Eigentlicher Verlierer ist jedoch nicht die geschickt intrigierende Realpolitikerin Kazu, die hier mit ihren eigenen Waffen geschlagen wird, sondern der idealistische Noguchi, der erkennen muss, dass er in der von einer sensationsgierigen Öffentlichkeit bestimmten politischen Scheinwelt keine Heimat mehr hat. Kazu will dem sich aufs Altenteil zurückziehenden Noguchi nicht folgen, und schlägt nach der Scheidung von ihm einen eigenen Lebensweg ein. Mishima lässt seine vitale Heldin ihr Glück machen als Restaurantbesitzerin und Mittelpunkt einer mondänen Gesellschaft, die die vergreiste Welt des alten Kaiserreichs hinter sich lässt, um in der modernen Welt des Luxus und der Moden anzukommen. Das insgesamt heitere Bild fortschrittlichen Pragmatismus, das der Autor hier bei aller Gesellschaftskritik zeichnet, war seinem eigenen Leben nicht beschieden. Von politischem Fanatismus angetrieben, versuchte er 1970 einen Staatsstreich (wohl eher ein ästhetizistisches als ein politisches Spektakel), nach dessen Scheitern er spektakulär Selbstmord beging.



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