Autor: Fjodor Dostojewski
Titel: Schuld und Sühne
Verlag: Aufbau Verlag
ISBN: 3746620325
Preis: 11,95 Euro
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Autor: Fjodor Dostojewski
Titel: Schuld und Sühne
Verlag: Aufbau Verlag
ISBN: 3746620325
Preis: 11,95 Euro
Der mittellose Student Raskolnikov irrt durch die Straßen Petersburgs, sein scharfer Intellekt arbeitet ohne Unterlass und wird ihn ins Verderben führen, weil er ihn zu einem Verbrechen drängt. "Schuld und Sühne"(1866), in einer neueren Übersetzung auch unter dem Titel "Verbrechen und Strafe" (1994) erschienen, bildet den Auftakt zu den philosophischen Roman-Tragödien Dostojewskis, die mit "Die Gebrüder Karamasow" ihren krönenden Abschluss finden. Es geht um die Frage, ob eine Idee Leben vernichten darf.
Raskolnikovs Überlegungen führen zu einem Mord an einer alten Wucherin, mit deren Geld er dann sein Studium finanzieren kann. Die Idee geht also von lebenswertem und nichtlebenswertem Leben aus, wobei Raskolnikovs Verstand ersteres für sich in Anspruch nimmt. Untermauert wird diese These noch durch eine simple Rechnung: mit dem Geld der einen lässt sich nicht nur das eine Studium des anderen, sondern noch der Unterhalt hundert weiterer Leben bestreiten. Folglich ist ein ausgelöschtes Leben mit einem Mal hundert zusätzliche wert. Jedoch, kaum hat Raskolnikov die Tat begangen, überfallen ihn Schuldgefühle, die Sehnsucht nach Sühne. So erkennt er, dass sich verschiedene Leben nicht gegeneinander aufrechnen lassen, sondern dass er neben Verstand auch über ein Gewissen und ein Herz verfügt, die ihm dieses Kalkül untersagen. Also strebt er, wie Dostojewski zufolge alle anderen Menschen auch, nach Erlösung. Ausgelöst wird Raskolnikovs Suche nach Strafe durch ein fieberhaftes Delirium, das seine Ratio nicht mehr kontrollieren kann und das ihn auf Umwegen zur Liebe Sonias führt. Doch mit Liebe allein ist noch nichts gerettet, dem Verbrechen muss die Strafe folgen, der Schuld die Sühne. Und das wiederum erkennt Raskolnikov durch die Liebe Sonjas, die ihm freiwillig in das sibirische Lager folgt, wo er als Strafe für seinen Mord inhaftiert wird. Dostojewski versteht es wie kaum ein anderer, philosophischen Gedankenwelten durch seine Protagonisten physische Gestalt zu verleihen. Ideen- und Menschwerdung werden so zu einer Einheit, deren Genese der Leser mitverfolgt, getrieben von einer Spannung, die sich durch die kriminelle Energie ebenso erklärt wie durch die Suche nach Erlösung. Eine gesühnte Schuld, ein Verstand, der nicht rechnet, sondern liebt - das ist das Ende der Geschichte Raskolnikovs und der Anfang eines wahren Lebens.