Alfred Döblin - Berlin Alexanderplatz-Cover

Autor: Alfred Döblin
Titel: Berlin Alexanderplatz

Verlag: Suhrkamp Verlag KG
ISBN: 351801451X

Preis: 15,80 Euro


Er ist ein Antiheld, dieser Franz Biberkopf, jener Ich-Erzähler aus Döblins genialem Großstadtroman, der nicht zuletzt durch die kongeniale Verfilmung Fassbinders endgültig in den literarischen Kanon deutscher Literatur des 20. Jahrhunderts einbetoniert wurde. Gerade aus dem Gefängnis entlassen, beschließt Biberkopf anständig zu bleiben. Selbstverständlich gelingt ihm das nicht. Zu sehr ist er sich selbst und den Ereignissen ausgeliefert. Bevor es jedoch zum letztendlichen Scheitern kommt, wird der Leser mitgenommen nach Berlin, auf den Alexanderplatz und seine angrenzenden Straßen. Nicht zufällig trägt der Roman den Titel "Berlin Alexanderplatz" und erst im Untertitel heißt er "Die Geschichte von Franz Biberkopf". Döblin hat einen Großstadtroman geschrieben, der häufig mit Dos Passos´ "Manhattan Transfer" oder Joyces "Ulysses"“ verglichen worden ist. Man täte Döblin jedoch Unrecht, wenn man ihn allzu sehr in den Schatten dieser Werke stellen würde, denn Döblins Meisterwerk ist letztlich unvergleichlich. Der 1929 erschienene Roman bedient sich unterschiedlicher Stilrichtungen und integriert geschickt ebenso dadaistische wie auch futuristische und expressionistische Elemente. Döblin hat eine ganz eigene Art des Montageromans entwickelt, mit der er seine Leser zu beeindrucken, zu unterhalten und zu überzeugen weiß. Den "modularen Aufbau" seines Romans illustriert Döblin zudem durch die Verwendung zahlreicher sprachlicher und erzähltechnischer Stile. Auf diese Weise entwirft er ein ausgesprochen lebendiges Bild pulsierenden Hauptstadtlebens: Seine Allwissenheit als Autor nutzt er zum einen, um zwischendurch den Leser anzusprechen und mit ihm in Dialog zu treten. Er warnt ihn, indem er bestimmte Ereignisse vorwegnimmt, er weist ihn auf Dinge hin, die seine besondere Aufmerksamkeit verdienen oder er schlägt ihm auch einfach vor, das Kapitel auszulassen, wenn er es eilig haben sollte. Zum anderen kennt der Autor alle und alles: Er weiß um die Todeszeitpunkte der Leute, die die Elektrische besteigen und teilt dem Leser auch den Text der Beerdigungsanzeige mit. Er kennt die Vorgänge im Verdauungstrakt eines Bratwurst essenden Kneipengastes und schildert sie dem Leser aus medizinischer Sicht. Und er nennt auch die Formel, mit der sich der Mord an Ida aus physikalischer Sicht erklären und begreifen lässt. Es ist die Wirklichkeit, die Döblin interessiert, also die Welt, die sich nicht durch ihr Sosein erklärt, sondern die die Menschen durch ihre Handlungen konstituieren. Und eben diese Wirklichkeit lässt Döblin in "Berlin Alexanderplatz" auf faszinierende Weise lebendig werden, damals wie heute.



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