Autor: Denis Diderot
Titel: Rameaus Neffe
Verlag: Reclam
ISBN: 3150012295
Preis: 5,00 Euro
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Autor: Denis Diderot
Titel: Rameaus Neffe
Verlag: Reclam
ISBN: 3150012295
Preis: 5,00 Euro
Denis Diderot zählt zu den herausragenden Meisterdenkern der an philosophischen Talenten gewiss nicht armen europäischen Aufklärung. Anders als deren bekannteste deutsche Vertreter, etwa Immanuel Kant oder Gotthold E. Lessing (der Diderots Werk im übrigen nicht nur schätzte, sondern auch nachzuahmen trachtete), beschränkte sich Diderots Könnerschaft dabei nicht nur auf ein Spezialgebiet. Vielmehr durchdringen sich in seinem Oeuvre die vielfältigen Perspektiven, Denk- und Schreibweisen eines aufklärerischen Universalgenies. Zielte sein wissenschaftliches Hauptwerk, die große Enzyklopädie, darauf, das gesamte Wissen seiner Zeit zu erfassen und einer breiten Leserschaft zugänglich zu machen, so entwickelt er vor allem in seinen dramatischen und schauspieltheoretischen Schriften eine umfassendes Konzeption der Empfindsamkeit in ihren individuellen und sozialen Zusammenhängen. Vernunft und Gefühl, Idealismus und Realismus, Schein und Sein - diese großen Gegensatzpaare sind auch Thema des 1762 bis 1774 entstandenen fiktiven Dialogs "Rameaus Neffe", den Goethes Übersetzung (1805) erstmals im deutschen Sprachraum bekannt machte. In der Figur des gesellschaftlich unterprivilegierten, aber um so geistreicheren Neffen des großen Barockkomponisten zeichnet Diderot eine Gestalt, in der sich die Widersprüche seiner Zeit mit ironischer Schärfe bündeln. Selbst eine parasitäre Existenz, die sich als Klavierlehrer und intellektueller Hofnarr besserer Kreise durchs Leben schlägt, entlarvt Rameau durch seinen schonungslosen Realismus mit zynischer Wortgewalt die Lebenslügen der überkommenen Ständegesellschaft. Jenseits idealistischer Schönfärberei oder strenger gedanklicher Askese, die aufklärerischer Literatur und Philosophie sonst oft anhaftet, gelingt Diderot mit seiner "zweiten Satire" eine humorvolle, darum aber nicht weniger ernst zu nehmende Analyse sozialer Widersprüche, die den Wert des Individuums über alle überkommenen Moralvorstellungen und ererbte Privilegien setzt.