Geoffrey Chaucer - Die Canterbury-Erzählungen-Cover

Autor: Geoffrey Chaucer
Titel: Die Canterbury-Erzählungen

Verlag: Insel Verlag
ISBN: 3458327061

Preis: 17,50 Euro


Wir befinden uns in den 80er Jahren des 14. Jahrhunderts, im mittelalterlichen England zu Geoffrey Chaucers Zeiten. Der Ausgangspunkt - eine Taverne in Südengland. Das Ziel - die Kathedrale von Canterbury, in der die Reliquien eines Märtyrers, nämlich des Heiligen Thomas Beckett, begraben liegen. Die Protagonisten - ein willkürlich zusammengewürfelter Haufen mit nur einer Gemeinsamkeit, dem Pilgerziel. Denn noch ist die Kirche Englands zusammen mit dem Rest der Welt katholisch und die Kathedrale von Canterbury ist das Ziel der Sehnsüchte vieler frommer Pilger.
Bevor sich Chaucers Pilger auf ihre Pilgerfahrt begeben, wird zu einer anderen Zeit rund 200 Jahre früher und mit einer anderen Besetzung genau an diesem Schauplatz ein schreckliches Verbrechen verübt. Thomas Beckett, Erzbischof von Canterbury, wird infolge seines religiös bedingten Zerwürfnisses mit Heinrich II. Opfer einer Intrige. Vier Ritter bemühen sich mit vereinten Kräften, den Gottesmann in seiner Kirche zu töten. Sie spalten dem Gottesmann mit einem wohl platzierter Schwerthieb den Schädel mit solcher Wucht, dass sich der Inhalt desselben auf den sakralen Boden ergießt.
Drastisch, aber weniger blutrünstig sind auch Inhalt und Sprache der Geschichten, die Geoffrey Chaucer seinen Pilgern auf dem Weg zu diesem heiligen Ort in den Mund legt. Wir lernen alles über Lust, Fressgier, Ehebruch, Betrug, Verrat, Habgier und Kirchenkorruption - die Hauptthemen dieser ersten in englischer Sprache abgefassten Sammlung von Shortstorys neben dem der moralischen Erbauung. Durch die Detailtreue der Personenbeschreibung wird der heutige Leser kraft seiner Vorstellung Augenzeuge des von Chaucer beschriebenen Mittelalters und gewinnt interessante Einblicke in die Gepflogenheiten der damaligen Zeit. Diese unterscheiden sich sehr von kollektiven wie individuellen Vorurteilen des heutigen Lesers. Überrascht stellt man beispielsweise fest, dass eine Nonne keine Ordenskleidung, sondern ihre persönliche Garderobe und aufwendigen Schmuck trägt, und ist dann weiter erstaunt, mit welcher Liebe zum scheinbar trivialem Detail dieser Schmuck mit seiner lateinischen Aufschrift genauestens beschrieben wird: "Amor vincit omnia" Die Liebe soll alles besiegen? Ein eigenartiger Wahlspruch insbesondere für eine fromme Nonne. Der geneigte Leser möge sich bei der Lektüre selbst davon überzeugen, wie er denn zu verstehen sei. Die nüchterne, äußerst differenzierte Beschreibung, zusammen mit dem genauestens wenn auch hin und wieder mitleidlos bis respektlos beobachteten psychologischen Erscheinungsbild der Figuren, lässt diese vor unserem geistigen Auge erstehen und erhebt die Erzählung durch die Verwendung einer direkten dichterischen Sprache in der damals üblichen Versform zu einem erlebten poetischen Alltag.



© 2010 Paschen & Companie GmbH & Co.   |   Impressum  |   Kontakt / KatalogeTOP

Fenster schliessen

Dieses Fenster schließen